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09.02.10 | Kategorie: Allgemeines

Teilblockade erleichtert das Leben

Immunsystem von Transplantationspatienten wird modifiziert

 

Eine Organtransplantation verlängert das Leben, ist aber auch mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Das Immunsystem des Körpers muss unterdrückt werden, um eine Abstoßung zu verhindern. In "Science Translational Medicine" berichten französische Forscher jetzt über eine schonendere Art, das fremde Transplantat körperverträglich zu machen.

Erhält ein Nierenkranker eine neue Spenderniere, beginnt für ihn meist ein neues Leben. Er ist nicht mehr abhängig von der Dialyse und kann beispielsweise wieder einen Familienurlaub planen. Begleiten werden ihn dabei aber immer etliche Medikamente, sogenannte Immunsuppressiva. Sie verhindern, dass der Körper ein Spenderorgan abstößt.

"Das ist großartig, aber das Ganze hat leider auch einen Nachteil. Und der liegt darin, dass alle derzeit verfügbaren Wirkstoffe, die das Immunsystem unterdrücken, giftig sind. Das führt auch dazu, dass die Nieren geschädigt werden. Das Medikament, dass es dem Körper ermöglich eine Spenderniere zu akzeptierten, schädigt also gleichzeitig auch das neue Organ. Schon ein Jahr nach der Transplantation arbeitet eine neue Nieren nicht mehr so gut, wie sie es eigentlich sollte. Dadurch kann ein Patient letztlich sogar das Organ verlieren."

Bernard Vanhove arbeitet am Forschungsinstitut des größten Nierentransplantationszentrums Europas im französischen Nantes. Die Forscher dort suchen schon seit Jahren nach einem Weg, wie sie auf schonende Weise eine Abstoßungsreaktion nach einer Organtransplantation verhindern können. Die Giftigkeit der gängigen Medikamente führt leider dazu, dass beispielsweise Patienten mit einem transplantierten Herzen auch noch eine neue Niere brauchen. Ganz abgesehen davon, dass sie sehr anfällig für Infektionskrankheiten oder bestimmte Krebsarten sind. Die Medikamente schalten nämlich die sogenannten T-Lymphozyten des Immunsystems komplett aus. Vanhove:

"Normalerweise werden T-Lymphozyten von sogenannten regulatorischen T-Zellen kontrolliert. Diese kleinen Wächter halten die T-Lymphozyten in Schach, die sich gegen unseren eigenen Körper richten. Es ist aber schon länger bekannt, dass regulatorische T-Zellen auch dafür sorgen können, dass der Körper ein Transplantat langfristig akzeptiert."

Die besondere Eigenschaft der regulatorischen T-Zellen machen sich Bernard Vanhove und seine Kollegen vom Universitätskrankenhaus in Nantes jetzt zu nutzte. Sie verwenden ein Fragment eines Antikörpers gegen den sogenannten CD28-Rezeptor an der Oberfläche der T-Lymphozyten. Dieser Rezeptor ist eine Art Schalter, der in zwei Richtungen gekippt werden kann. In der einen Richtung führt er dazu, dass die T-Zellen sich vermehren und gegen ein Spenderorgan vorgehen. Wird der CD28-Schalter dagegen in die andere Richtung umgelegt, bewirkt er, dass die T-Lymphozyten sich in regulatorische T-Zellen verwandeln. Genau diesen Teil des CD28-Schalters aktivieren die französischen Forscher mit einem Fragment eines Antikörpers. Vanhove:

"Wir blockieren mit unserem Antikörper-Fragment nur einen Arm der T-Lymphozyten-Kommunikation und lassen alle anderen Kommunikationswege offen. Dadurch können die T-Lymphozyten noch an die regulatorischen T-Zellen binden und selbst zu regulatorischen Zellen werden. Wir haben also eine regulierte Immunantwort auf ein Spenderorgan anstatt einer Abstoßungsreaktion."

In Versuchen mit Affen, die ein Herz oder eine Niere transplantiert bekommen hatten, funktionierte das System. Es kam zu keiner Abstoßungsreaktion, obwohl die Tiere nur sehr wenig Medikamente einnahmen. Das muss allerdings nicht heißen, dass das Verfahren auch im Menschen funktioniert. Im Jahr 2006 hat eine klinische Studie bei sechs Studienteilnehmern zu Organversagen geführt - auch da waren zuvor Affenversuche erfolgreich gewesen. Beim Menschen hatte der Antikörper den CD28-Schalter in die falsche Richtung umgelegt und zu einer Aktivierung von T-Lymphozyten geführt. Experten von den Universitäten Würzburg und Göttingen halten das im Fall der französischen Forscher für extrem unwahrscheinlich - kategorisch ausschließen lasse sich das aber nicht.

 



 






Hanna Fleps, Martina Oebels, Maja Becker-Mohr (Hrsg.)

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Weimar, W., Bos, M. A., Busschbach, J. J. (Eds)

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T. Gutmann, A. S. Daar, R. A. Sells, W. Land (Eds.)

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F. W. Albert, W. Land, E. Zwierlein (Hrsg.)

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