|
|
|

|
|
|
|
|
21.08.10 | Kategorie: Niere |
Leistungsfähige Spendernieren auch von am plötzlichen Herztod Verstorbenen |
Die Zahl der auf der britischen Warteliste zur Nierentransplantation stehenden Menschen nimmt stetig zu. Zur Zeit warten mehr als 7000 Patienten auf eine Operation, jedoch können jährlich nur 1600 Transplantationen von Nieren von verstorbenen Spendern vorgenommen werden. Bis vor kurzem stammten die meisten gespendeten Nieren noch von hirntoten Patienten. Bei diesen schlug zwar noch das Herz, jedoch waren alle Funktionen des Hirnstamms erloschen. Allerdings ist die Zahl dieser Spender im letzten Jahrzehnt gesunken, möglicherweise auf Grund von Verbesserungen in der Behandlung von Kopfverletzungen sowie einer Verringerung der tödlichen Verkehrsunfälle. Als Folge hiervon ergab sich eine entsprechende Zunahme in der Anzahl der am plötzlichen Herztod verstorbenen Spender. Im Jahr 2000 lag deren Beitrag zu allen Transplantationen noch bei 3 Prozent, im Jahr 2009 bereits 32 Prozent.
Zunächst wurden Bedenken geäußert, dass Nieren von am akuten Herztod Verstorbenen nicht so leistungsfähig wären wie jene von hirntoten Spendern, ein bereits vorab online veröffentlichter Artikel folgert jedoch, dass sich diese beiden Transplantat-Typen als gleichwertig darstellen. Darüberhinaus sollten Nieren von akut Herztoten, die außerhalb der nationalen britischen Allokationsregeln liegen (werden gegenwärtig lokal zugewiesen), in gleicher Weise behandelt werden wie Nieren von hirntoten Spendern.
Spendernieren jeglicher Art werden in gewisser Weise verletzt. Beim Hirntod treten wesentliche hormonelle und metabolische Änderungen auf, während beim Herztod zeitlich zwischen dem Ende des Herzschlags und der Spülung der Nieren mit kalter Konservierungsflüssigkeit eine warme Ischämie eintritt (Verletzungen durch den Abbruch der Blutversorgung bevor das Organ gekühlt wird, um den Schaden zu minimieren). In Großbritannien sind die meisten am akuten Herztod Verstorbenen kontrollierte Spender, die zwar eine erhebliche irreversible Schädigung des Gehirns erlitten, die Kriterien des Hirntodes jedoch nicht erfüllten. In diesen Fällen wird der Tod festgestellt, wenn das Herz zu schlagen aufhört, nachdem lebenserhaltende Maßnahmen per Entscheid gestoppt wurden.
In dieser Studie untersuchten Professor J. Andrew Bradley und Kollegen vom Addenbrooke's Hospital der Universität Cambridge Ergebnisparameter der Nieren von kontrollierten herztoten gegenüber hirntoten Patienten, und versuchten Faktoren festzustellen, die Überleben und Funktion des Spenderorgans beeinflussen. Die Forscher nutzten Daten des britischen Transplantatregisters, um eine Kohorte verstorbener Nierenspender und der entsprechenden Organempfänger (älter als 18 Jahre) auszuwählen, deren Organtransplantationen zwischen dem 1. Januar 2000 und dem 31. Dezember 2007 erfolgten.
Insgesamt wurden 9134 Nierentransplantationen in 23 Zentren durchgeführt. 8289 Organe stammten von Hirntoten, 845 von kontrolliert Herztoten. Erstmalige Empfänger von Nieren von herztoten (n=739) oder hirntoten Spendern (n=6759) zeigten hinsichtlich des Überlebens des gespendeten Organs im Zeitraum bis zu 5 Jahren oder der Nierenfunktion (Filtrationsrate) im Zeitraum von einem bis 5 Jahren nach der Operation keine Unterschiede. Bei Organempfängern von herztoten Spendern waren zunehmendes Alter von Spender und Empfänger, wiederholte Transplantation und ein Zeitrahmen einer kalten Ischämie von mehr als 12 Stunden mit schlechtem Überleben des Transplantats verknüpft. Organe von herztoten Spendern, die nur schlecht zum humanen Leukozytenantigen HLA (Antigen des Blutes) passten, zeigten eine statistisch nicht signifikante Verknüpfung mit mangelhaften Ergebnissen. Verzögerte Organfunktion und Zeitrahmen von warmen Ischämien hatten keinen Einfluss auf die Ergebnisparameter.
Die Autoren stellen fest: "Der Mangel an Spenderorganen bleibt eine der wichtigsten Herausforderungen, der sich die internationale Transplantationsgemeinschaft gegenüber sieht. Mit Blick auf unsere Ergebnisse repräsentieren am plötzlichen Herztod Verstorbene eine extrem wichtige und übersehene Quelle von hoch-qualitativen transplantierbaren Spendernieren und haben das Potenzial, die Zahl der Nierentransplantationen in Großbritannien deutlich zu steigern."
Die Forscher führen außerdem an, dass die Allokationsregeln für Nieren von hirntoten Spendern jenen auf der Warteliste auch ungeachtet des Aufenthaltsortes einen gerechten Zugang zu Spendernieren sowie eine sorgfältige Gewebetypisierung bei jenen Patienten sicher stellen sollen, bei denen es am wichtigsten ist. Außerdem seien Patienten mit der längsten Wartezeit zu bevorzugen und große Altersunterschiede zwischen Spendern und Empfängern zu vermeiden. Mit Blick auf ihre Ergebnisse schlagen die Autoren vor, dass vergleichbare Zuordnungsregeln auch für Nieren von am plötzlichen Herztod verstorbenen Patienten in Erwägung gezogen werden sollten. D. h., die Ergebnisse stärken die Argumente für einen nationalen Verteilungsplan.
Die Autoren folgern: "Nieren von kontrolliert am plötzlichen Herztod Verstorbenen bieten bei Erstempfängern gute Ergebnisparameter im Sinne des Überlebens und der Funktionstüchtigkeit des Spenderorgans und sollten den Nieren von hirntoten Spendern gegenüber als gleichwertig angesehen werden. Faktoren, die die Ergebnisparameter der Transplantationen von Nieren von am plötzlichen Herztod Verstorbenen beeinflussen, werden helfen, klinische Entscheidungsfindung zu lenken und zukünftige Allokationsregeln zu gestalten."
In einem begleitenden Kommentar stellt Professor Sir Peter J. Morris vom Centre for Evidence in Transplantation am Royal College of Surgeons of England und der London School of Hygiene and Tropical Medicine fest: "Der aktuelle Bericht ist ein wichtiger Beitrag zum Problem, die Versorgung mit Spendernieren für Transplantationen aufzustocken. Die Ergebnisse überzeugen, dass das Hinzuziehen von kontrolliert am Herztod verstorbenen Spendern eine akzeptable Praxis darstellt. Wichtiger noch, potenzielle Empfänger von Nieren von am plötzlichen Herztod verstorbenen Spendern können rückversichert werden, dass die Folgen ihrer Transplantation nicht durch die Herkunft der Niere gefährdet sind."
Quelle: DM Summers and others. Analysis of factors that affect outcome after transplantation of kidneys donated after cardiac death in the UK: a cohort study. Lancet 2010; 376: 10.1016/S0140-6736(10)60827-6 |

|
|
|




Akademie Niere (Hrsg.) VI. Intensivkurs Nieren- und Hochdruckkrankheiten der Akademie Niere 



B. Braam, K. Jindal, .J. Dorhout Mees Hypertension and Cardiovascular Aspects of Dialysis Treatment 



W.G. Land Die (Un)sterblichkeit der Menschheit: dem Geheimnis auf der Spur 



W.G. Land Innate Alloimmunity: Part 1: Innate Immunity and Host Defense 



W.G. Land Innate Alloimmunity: Part 2: Innate Immunity and Allograft Rejection 



G. Seyffart
Seyffart's Directory of Drug Dosage in Kidney Disease 



W. Weimar, M. A. Bos, J. J. V. Busschbach (Eds.)
Organ Transplantation: Ethical, Legal and Psychosocial Aspects. Expanding the European Platform 



Für den AKTX (Hrsg.): E. Homburg, P. Hecker
Transplantationspflege 



Hanna Fleps, Martina Oebels, Maja Becker-Mohr (Hrsg.)
Absender? Unbekannt! Ratgeber und Geschichten von Kindern mit einem Spenderherz 



Weimar, W., Bos, M. A., Busschbach, J. J. (Eds)
Organ Transplantation: Ethical, Legal and Psychosocial Aspects. Towards a Common European Policy 



R. B. Brauer, M. Stangl, U. Heemann
Eine neue Niere ist wie ein neues Leben 



A. und B. Markus
Der Weg in ein neues Leben - Die Lebertransplantation 



B. M. Meiser, P. Überfuhr, R. B. Brauer, B. Reichart
Ein neues Herz ist wie ein neues Leben 



Rudolf J. Tschaut
Extrakorporale Zirkulation in Theorie und Praxis 



T. Gutmann, A. S. Daar, R. A. Sells, W. Land (Eds.)
Ethical, Legal, and Social Issues in Organ Transplantation 



F. W. Albert, W. Land, E. Zwierlein (Hrsg.)
Transplantationsmedizin und Ethik - Auf dem Weg zu einem gesellschaftlichen Konsens 
|
|
|
|