Transplantationsmedizin: Übersicht zur perioperativen Therapie bei Herztransplantation
Das Überleben nach Herztransplantation hat sich wesentlich verbessert: Die Hälfte der Patienten überlebt mindestens 13, ein Viertel mehr als 20 Jahre. Erstmals bieten führende Zentren für Herztransplantation in Deutschland einen Überblick über ihre perioperativen Maßnahmen - inclusive Anästhesie- und Intensivtherapie. Professor Dr. Onnen Grauhan (Deutsches Herzzentrum Berlin) hat das Special Issue von "Transplantationsmedizin" herausgegeben. Mehrere Beiträge belegen weitere Verbesserungschancen, z.B. realistische neue Möglichkeiten, die Konservierungszeiten für Herztransplantate zu verlängern und marginale Spenderorgane mit guten Ergebnissen zu verpflanzen.
Grauhan moniert: "Leider zeigt die tägliche Erfahrung, dass das Screening der Spenderherzen an die aktuelle Entwicklung nicht angepasst wurde. Die Spender-Koronarangiographie ist immer noch eine Ausnahme; sie wird bei fünf bis zehn Prozent der Herztransplantationen durchgeführt, obwohl die Prävalenz der signifikanten atherosklerotischen Koronararterienerkrankung im Spenderpool bei etwa 20 Prozent liegt, das Risiko einer Übertragung der KHK ohne Angiographie trotz Inspektion durch den Operateur bei ungefähr fünf bis zehn Prozent liegt und das Risiko eines frühen Transplantatversagens bei einer versehentlich mitübertragenen signifikanten KHK dreimal so hoch ist wie bei einem gesunden Graft."
Dres. Florian Wagner (Hamburg) und R. Yeter (Berlin) bieten erste Hinweise auf neue Methoden, die Konservierungszeit des Spenderherzen zu verlängern.
Dr. Andreas Koster und Kollegen (Bad Oeynhausen) vermitteln einen Überblick über die Anästhesieführung während der Herztransplantation und betonen: "Ein Rechtsherzversagen trägt wesentlich zu einem frühen Transplantatversagen bei. Insbesondere nach längerer Ischämie und Reperfusionsschaden kann das Spenderherz Probleme haben, sich an den höheren Druck in der Lungenarterie und den höheren pulmonalen Gefäßwiderstand des Empfängers anzupassen. Eine spezielle Aufgabe ist es daher, die aktuellen Drucke sowie Widerstand und transpulmonale Gradienten im Lungenarterienbett des Empfängers zu messen und zu berechnen; wir müssen Strategieen einleiten, um den Druck und Widerstand in der Lungenarterie zu verringern und die Kontraktilität des rechten Ventrikels zu erhöhen ..."
Dr. Hans Lehmkuhl und Kollegen (Berlin) beschreiben in ihrem Beitrag zur Intensivmedizin eine große Zahl spezifischer Herausforderungen, u.a.: "Kompensatorische Mechanismen zur Stabilisierung der Hämodynamik können aufgrund der Ischämie, des Reperfusionsschadens und der autonomen Denervierung mit dem nachfolgenden chronotropen und inotropen Versagen nur eingeschränkt angewendet werden ..."
En detail berichten Autoren über immunsuppressive Induktionstherapie, über Infektionsprophylaxe und Behandlung, über Arrhythmie-Therapie und über den Einsatz des ECMO-Verfahrens.